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„Wir müssen näher an die Menschen heran“

Presseecho

Der Teckbote vom  23.06.2015

Michael Beck heißt der neue Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Esslingen. Für ihn votierten 85,7 Prozent der Delegierten beim Kreisparteitag in Wendlingen.

Wendlingen. Eine Überraschung war diese klare Entscheidung nicht, denn der junge Genosse aus dem Lenninger Tal war der einzige Kandidat, der zur Wahl stand. Bereits einige Tage vor dem anstehenden Parteitag hatte der langjährige Kreisvorsitzende Michael Wechsler in einem Rundschreiben an die Ortsvereinsvorsitzenden und Kreisdelegierten seinen Rückzug bekannt gegeben. Diesen begründete er damit, dass der Vorstand seines Ortsvereins Esslingen ein einstimmiges Votum für Nicolas Fink (Mitglied der Kreistagsfraktion und Bürgermeister von Aichwald) abgab, der sich ebenso wie Wechsler als Zweitkandidat des Wahlkreises Esslingen für die Landtagswahl 2016 beworben hat. „Ich will nicht verhehlen, dass mich dieses Votum persönlich enttäuscht.“ Unabhängig davon, dass Nicolas Fink ohne jeden Zweifel ein respektabler Kandidat für dieses Amt sei, falle es ihm, Wechsler, schwer, die politischen Argumente nachzuvollziehen. Dennoch akzeptiere er das Ergebnis und ziehe daraus die Konsequenzen. „Die Abstimmung des Vorstands des Ortsvereins, dem ich selbst sieben Jahre angehört habe und der mich vor 14 Jahren in den Kreisvorstand entsandt hat, ist ein persönliches Misstrauensvotum, wie es deutlicher nicht sein könnte.“ Er sehe daher auch keine politische Legitimation mehr gegeben, das Amt des Kreisvorsitzenden weiterhin auszuüben.

Nach zehn Jahren tue der Partei aber auch ein Wechsel an der Spitze gut, wenngleich er sich hätte vorstellen können „wegen des guten Teams“ noch einige Jahre weiterzumachen. Ein Neuanfang bringe nicht nur neue Mitstreiter sondern auch neue Ideen und einen neuen Stil mit sich.

Dieser persönlichen Erklärung ließ Michael Wechsler ein Resümee seiner zehnjährigen Arbeit als Kreisvorsitzender folgen. Er erinnerte daran, dass der Kreisverband dank guter Vernetzung mit anderen Organisationen und Parteien übergreifend die Pläne zur Flughafenerweiterung um eine zweite Startbahn verhindert habe. Darüber hinaus habe man Ortsvereine, deren Mitgliederzahlen drastisch gesunken waren, davon überzeugt, sich mit anderen zusammenzuschließen.

Darüber hinaus sei für ihn immer wichtig gewesen, offen für den Parteinachwuchs zu sein und „jungen Leuten die Gelegenheit zu geben, sich zu bewähren“.

Walter Bauer aus Filderstadt zollte Michael Wechsler Respekt für seinen Rückzug und dankte ihm herzlich.

Seinem großen Bedauern wegen Wechslers Rückzug gab auch dessen Nachfolger Michael Beck Ausdruck. Der Neue bedankte sich für das große Vertrauen, das man ihm entgegen gebracht habe. „Ich habe großen Respekt vor diesem Amt und es mir gut überlegt“, so der 26-Jährige, der bislang als Pressesprecher im Kreisvorstand fungierte. Der Verwaltungs- und Politikwissenschaftler lebt in Lenningen und ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Wahlkreisbüro von Rainer Arnold tätig. Er betrachte das neue Amt trotz seines jungen Alters und der geringen Erfahrung als Chance, auch um den Kreisvorstand zu verjüngen. Er habe von einem erfahrenen Genossen den Rat bekommen, ein gutes, verlässliches und vor allem loyales Team um sich zu versammeln.

Er wolle mit seinem Engagement dazu beitragen, die SPD bei den Wählern wieder attraktiver zu machen. „Obwohl wir im Bund und im Land mitregieren, kommen wir bei Umfragen nicht über 25 Prozent. Damit sollten wir uns in Zukunft nicht mehr zufrieden geben.“ Obwohl das Thema soziale Gerechtigkeit bei den Menschen nach wie vor als Kernkompetenz der Sozialdemokraten betrachtet werde, würden vor allem einfachere Leute die SPD nicht mehr als ihren Ansprechpartner betrachten. „Wir müssen wieder näher an die Menschen herangehen, ihnen intensiver zuhören und vor allem die Jungen für uns interessieren“, so Beck.

In Wendlingen herzlich willkommen geheißen wurden die Gäste des Kreisparteitags von Bürgermeister Steffen Weigel, der ihnen nicht nur seine Stadt vorstellte, sondern auch kräftig für einen Besuch in selbiger warb. Dann wandte er sich dem Thema Flüchtlingsarbeit zu. Bis zum Jahresende werde man 130 Flüchtlinge aufgenommen haben. Bislang lebten 80 in der Kommune, die von rund 100 Ehrenamtlichen vorbildlich betreut werden. „Es sind unsere Flüchtlinge, und sie sind uns nicht lästig“, so Weigel. Es nütze nichts, zu warten, dass dieser Kelch an einem vorbei geht. Wenn die Bevölkerung spüre, dass ein herzliches Willkommen nicht mit ausnutzen verwechselt werde, dann sei deren Unterstützung groß, betonte der Wendlinger Bürgermeister.

Zu stellvertretenden Kreisverbandsvorsitzenden wurden Frank Fahrner (Ostfildern) und Simone Höllmüller (Leinfelden-Echterdingen) gewählt. Neuer Schatzmeister ist Jens Arnold, der die Nachfolge von Walter Baral (Neckartenzlingen) antritt, der das Amt 33 Jahre innehatte. Pressesprecher ist jetzt Michael Medla (Nürtingen).